ESPERANTO-GRUPPE NÜRNBERG e.V.
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Am 18. Februar 1885 wurde in Nürnberg der
"Weltsprache-Verein Nürnberg" gegründet, dessen 1. Vorsitzender Leopold
Einstein (1833-1890) war. Auch damals beschäftigte man sich mit dem
Gedanken einer künstlich geschaffenen neutralen Sprache zur internationalen
Verständigung.
Die Mitglieder des Weltsprache-Vereins
widmeten sich der 1878 veröffentlichten künstlichen Sprache Volapük, die der
badische Pfarrer Johann Martin Schleyer erfunden hatte. Da Volapük mit
seinen künstlichen Wortsilben sehr schwer zu verstehen war, hatte Leopold
Einstein gesagt:
"Sollte einmal etwas Besseres
geboten werden als das Volapük es ist, dann werde ich der Erste sein, der
dieses der Welt verkündete".
Leopold Einstein gab bei der
Generalversammlung des Weltsprache-Vereins am 22. Februar 1888 den Vorsitz an
den Lehrer Christian Schmidt (1849-1909) ab.
Am 26. Juli 1887 erschien dann das erste
Lehrbuch der Lingvo Internacia vom polnischen Augenarzt Dr. Zamenhof
(1859-1917) unter dem Pseudonym Dr. Esperanto in Warschau.
Im Sommer 1888 erhielt der Schriftsteller
und Journalist Leopold Einstein das erste und zweite Lehrbuch dieser
neuen Sprache, die er nach kurzem beherrschte. Er war so begeistert von dieser
Sprache, daß bereits 8 Wochen später seine Broschüre mit dem Titel "La
lingvo internacia“ als beste Lösung des internationalen Weltsprache-Problems"
in Nürnberg 1888 im Verlag von J.A. Stein's Buch- und Kunsthandel (Theodor
Schiener) erschien.
Seine Begeisterung für diese Sprache
übertrug sich auf die Mitglieder des Nürnberger Weltsprache-Vereins, so dass
sich bei der Generalversammlung im Dezember 1888 die Mehrzahl der Mitglieder
für die neu und bessere (wie L.Einstein sie nannte) internationale
Sprache Esperanto entschieden.
Auf diese Weise entstand in Nürnberg der
erste Esperanto-Klub der Welt. Erster Vorsitzender war zu diesem Zeitpunkt der
Lehrer Christian Schmidt.
Bereits am 01. September 1889 wurde in
Nürnberg von Christian Schmidt unter Mitwirkung des Dr. Esperanto
die erste Esperanto-Zeitung der Welt "La Esperantisto" herausgegeben.
Ab Oktober 1890 bis zur Einstellung aus
finanziellen Gründen im April 1895 übernahm Dr. Zamenhof die Herausgabe
der Zeitung. Redakteur war weiterhin Christian Schmidt; die Zeitung
wurde auch nach wie vor in der W.Tümmel-Druckerei in Nürnberg gedruckt. Damit
die Zeitung erscheinen konnte, übernahm der Vermesser Wilhelm Heinrich
Trompeter (1839-1901) aus Schalke von 1892 bis 1894 alle Kosten. Das
Erscheinen der Zeitung musste 1895 eingestellt werden, weil drei Viertel der
Abonnenten in Russland lebten, aber die Zensur die Einfuhr untersagte.
Nach Unterlagen im Archiv der Stadt
Nürnberg wurde der Weltsprache-Verein am 25.03.1890 offiziell in
"Esperanto-Club" umbenannt. Am 09. Mai 1900 wurde der Esperanto-Club
in "Klub de amiki de lingui universal" umbenannt und bei der
Mitgliederversammlung am 06. Mai 1909 beschlossen die Mitglieder, den Verein
nur noch "Weltsprache-Verein Nürnberg" zu nennen. Christian
Schmidt starb am 08.08.1909. Laut "Germana Esperantisto" von
1909/1910 bestand bereits 1909 eine "Esperanto-Gruppe", die von dem
Rechtsanwalt Dr. Heinrich Orthal geleitet wurde.
Am 09. und 10. Oktober 1909 fand in
Nürnberg der Zweite Bayerische Esperanto-Kongress statt.
Ab 1920 nahm der Verein unter Mitwirkung
von Otto Pilhofer (1893-1964) erneut einen beachtlichen Aufschwung, denn
am 04.02.1921 wird das "Esperanto-Kartell Nürnberg-Fürth" gegründet,
dem die Ortsgruppe Nürnberg, die katholische Esperanto-Gruppe Nürnberg, die
Lehrer-Esperanto-Gruppe Nürnberg, die Ortsgruppe des Deutschen
Arbeiter-Esperanto-Bundes, die katholische Esperanto-Gruppe Fürth und die
Esperanto-Gruppe "Verda Rondo" Fürth angehören. Vorsitzender ist Otto
Pilhofer, der zusammen mit Dr. Heinrich Orthal auch während des 15.
Esperanto-Weltkongresses 1923 in Nürnberg mit 4963 Teilnehmern als
stellvertretender Vorsitzender im örtlichen Kongress-Komitee mitwirkte.
Anlässlich des Dürer-Jahres 1928 wurde
auch in Esperanto geworben. Selbst die Biographie und ausgewählte Werke von
Albrecht Dürer wurden ins Esperanto übersetzt. Ein großer Erfolg wurde während
des Weltkongresses die Aufführung von "Nathan der Weise" von Lessing
im Opernhaus. Zufällig hatte das Stadttheater "Nathan der Weise" in
seinem Programm. Da dachte sich der Schauspieler Alexander Starke
(1891-1983), die einfachste Sache wäre es, wenn wir Esperanto lernen würden.
Bis auf zwei Darsteller waren alle bereit, Esperanto zu lernen. Da zwei der
Schauspieler aus Altersgründen nicht bereit waren, Esperanto zu lernen,
übernahm einer der Darsteller die Rolle des Patriarchen zusätzlich und den
Nathan spielte Alfred Richter-Anschütz vom Stadttheater Chemnitz. Da
auch seine Frau Camilla Starke (1891-1981) mitspielte, waren beide nach
dem großen Erfolg auf der Bühne von der wohlklingenden Sprache so begeistert,
dass sie sich nach dem Kongress der Nürnberger Esperanto-Gruppe anschlossen und
auch später bei verschiedenen Weltkongressen ihr schauspielerisches Können
zeigten.
In der Zeit von 1936 bis 1946 war die
Sprache als kosmopolitisch verboten und somit kam das Vereinsleben zum
Erliegen.
Ab 1946 sammelten sich die ehemaligen
Mitglieder erneut, um die Esperanto-Gruppe wieder aufzubauen. Allen voran Max
Hönigsberger (1891-1960?) und Otto Pilhofer; beide haben 1923 beim
Weltkongress mitgearbeitet. Herrn Otto Pilhofer ist es zu verdanken,
dass Nürnberg seit 1959 eine ESPERANTOSTRASSE hat.
Im Jahre 1965 übernahm Ludwig Pickel
(1922-1978) die Leitung der Nürnberger Gruppe. Er gründete einige Jahre später
einen Esperanto-Verlag, war viele Jahre Sekretär des Deutschen Esperanto-Bundes
und Herausgeber der Deutschen Esperanto-Zeitung sowie seines eigenen Nachrichtendienstes
"Pilo-Press". Leider starb er viel zu früh, er hinterließ eine große
Lücke bei der Nürnberger Esperanto-Gruppe. Auch seine unermüdliche Helferin Gunda
Hofmann (1904-1979) starb ein Jahr später ganz plötzlich.
Im Herbst 1979 half uns der Vorsitzende
der Bayerischen Esperanto-Liga Hermann Schmid aus Augsburg, einen
Infostand und anschließend einen Kurs an der Volkshochschule zu organisieren.
Auf einer Jahreshauptversammlung am 15.
März 1980 wählten wir mit Ester Keil als 1.Vorsitzende einen Vorstand,
dem auch die Mitglieder Anny Hartwig, Karin Dreissig und Conrad
Mrasek angehörten. Seit Oktober 1982 ist die Esperanto-Gruppe im
Vereinsregister am Amtsgericht Nürnberg eingetragen.
Die Gruppenmitglieder betreuten 1951 die
Nachkongress-Teilnehmer aus München und 1953 aus Zagreb. 1964 fand das 8.
Internationale Seminar der Deutschen Esperanto-Jugend mit 127 Teilnehmern aus
18 Ländern in Nürnberg statt, 1966 dann das Esperanto-Forum mit Dr. Hermann,
dem damaligen Vorsitzenden des Deutschen Esperanto-Bundes.
1971 fand der Deutsche
Esperanto-Kongress, 1976 und 1982 jeweils die Herbsttagung der Bayerischen
Esperanto-Liga sowie 1978 eine außerordentliche Zusammenkunft in Nürnberg
statt.
Im Jahr 1988 konnten wir das 100-jährige
Gruppenjubiläum mit 200 Teilnehmern aus 11 Ländern im Rahmen der
Bayerischen
Esperanto-Liga feiern.
Am 01. September 1989 ging mittels Fax
die erste Seite der Zeitung "La Esperantisto" in verschiedene Länder
(organisiert von Roland Schnell, Berlin).
Zum 100. Todestag von Leopold Einstein
enthüllten wir am 09.09.1990 eine Gedenktafel am Haus Weinmarkt 14 in Nürnberg,
denn mit Leopold Einstein als erstem Esperanto-Sprecher in Nürnberg
sowie in Deutschland stand Nürnberg mit an der Spitze der Esperanto-Bewegung.
Der jetzige Vorstand der Esperanto-Gruppe Nürnberg bemüht sich mit all seinen Kräften, die Tradition fortzusetzen und neue Interessenten für die völkerverbindende, neutrale Sprache Esperanto zu gewinnen.
Anny Hartwig
damalige Vorsitzende der Esperanto-Gruppe Nürnberg
Quellen:
*
Stadtarchiv, C 7 Vol 15-1051
*
Raporto de Otto Pillhofer en Germana Esperanto-Revuo n-ro 12, paĝo 135
*
La Esperantisto 1889 - 1895
*
Bayerische Esperanto-Mitteilungen, 3a jaro, Dec. 1911 kaj Febr. 1912
*
Germana Esperantisto 1909 + 1910
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Letzte Aktualisierung: 02. Dezember 2006
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